Zusammen mit ihrer Mutter führt Britta Goertz, das klassisch traditionelle Fach-Schuhhaus Meyer in Lübbecke, welches bereits in der vierten Generation, seit 1903 mit einem besonderen und liebevoll ausgewählten Sortiment überzeugt. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem gemeinsamen, sechsjährigen Sohn in Espelkamp.

Sind Sie ein Urgestein des Mühlenkreises – oder in diese schöne Gegend gezogen?

Ich bin wirklich ein Urgestein dieser Region, in Bünde geboren und in Espelkamp groß geworden. Während meiner Ausbildung bin ich für fünf Jahre außer Haus gewesen, um meine Flügel mal ein bisschen auszuweiten, um das High Life der Großstadt zu suchen und mich selbst  zu finden, jedoch mit der Prämisse, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Ich fühle mich schon von klein auf hier unbeschreiblich wohl und bin durch und durch gerne ein „Landei“.

Wie leben Sie im Mühlenkreis? 

Im ländlichen Espelkamp und ich liebe die wundervolle Natur drumherum. Meine Heimatstadt ist sehr attraktiv im sozialen Umfeld, wie beispielsweise im Schulischen oder auch Kindergartenbereich. Auch im Vereinsleben ist Espelkamp hervorragend aufgestellt. Die Strukturen dort, als Familie zu leben, sind sehr einladend und positiv.

Ihr beruflicher Werdegang? 

Nach meinem Abitur habe ich mich für eine kaufmännische Ausbildung in einem dualen Studium zur praktischen Betriebswirtin entschlossen. Danach bin ich für drei Jahre in die Nähe von Frankfurt gegangen, wo ich mich bei einem Textiler selbstständig um die Schuhabteilung kümmern durfte. 

Unser Schuhhaus ist ein traditionelles Unternehmen in vierter Generation, das mein Urgroßvater 1903 in Enger gründete. Die Kunst, sich als Familienunternehmen über so viele Jahrzehnte am Markt zu etablieren ist es, sich immer wieder den Gegebenheiten der Zeit anzupassen. Mein Urgroßvater war Schuhmacher, denn damals gab es ja noch das Handwerk und die Schuhe wurden noch von Hand hergestellt. Als Anfang der fünfziger Jahre mein Großvater erkannte, dass Enger kein Potenzial mehr hatte, da es zum Einen zu nah an Bielefeld und zum Anderen die gute Entwicklung fehlte, entschied er sich, ein zweites Standbein in Lübbecke aufzubauen. Währenddessen hatte meine Mutter das Geschäft begleitet und weitere Filialen eröffnet, um vom Wachstum, auch in den kleinen Städten zu profitieren. 

Als ich dann, vor ca. 20 Jahren, die Nachfolge meines Großvaters für das Fachgeschäft Schuhhaus Meyer antrat, ging es eigentlich in eine ganz andere Richtung. Der Umsatz in den kleinen Städten schwächelte. Dies führte nach und nach zur Aufgabe der kleineren Geschäftsflächen meiner Mutter. Zu diesem Zeitpunkt ging es für mich eher darum, wie ich mich in den neuen Medien aufstellen kann, um mich gegen die Durchsichtigkeit des Marktes zu behaupten.  Es galt herauszufinden, wo meine Kompetenzen liegen, die eben nicht durch die großen Online-Angebote angreifbar sind. Das ist meine Generationenaufgabe, mich mit Pfiff und Flexibilität den geforderten Gegebenheiten des aktuellen Marktes zu stellen und zu überzeugen. Tolle Resonanzen haben wir auf Aktionen wie den Knigge Podcast mit Birte Steinkamp, Abendevents wie High Heel Training und Coolster Paul Green Schuh erhalten. Dabei ist uns die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden enorm wichtig. Das Unternehmen zählt heute 6 Fachkräfte; meine Mutter und ich sind in der Geschäftsführung tätig. 

Was ist Ihr Lieblingsgericht? 

Ich habe weder ein Lieblingsgericht, noch gibt es etwas, was ich nicht mag. Ich esse gerne und faszinierend finde ich dabei die Geschichte anderer Esstraditionen.  Sehr experimentierfreudig bestelle ich mir im Restaurant gerne Gerichte anderer Kulturen, um dann zu entscheiden, was ich favorisiere.

Wie mögen Sie Ihren Kaffee am liebsten?

Das ist ja so ein ganz einprägsames Statement. Den trinke ich am liebsten mit Milch und am allerliebsten in sympathischer Gesellschaft.

Haben Sie Lieblingstiere?

Ja, ich liebe Pferde über alles, die mir auch lange Zeit meines Lebens immer ein guter Begleiter waren. Stundenlang könnte ich jetzt erzählen, was sie für wundervolle Geschöpfe sind. 

Treiben Sie Sport – und wenn ja, welchen?

Momentan bin ich sportfrei, nicht dessen geschuldet, weil ich mich nicht gerne bewege… das tue ich schon – nein, sondern der Zeit. Da, sowie bei meinem Lebenspartner, als auch bei mir, Zeit Mangelware ist, haben wir uns bewusst entschieden unsere verbleibende, sehr wertvolle Zeit gemeinsam mit unserem Sohn zu verbringen, die sich dann sportlich betrachtet, beispielsweise in ausgiebigen Fahrradtouren in unserer besonders schönen, beeindruckenden Gegend gestalten.

Wie haben Sie die außergewöhnliche Zeit der letzten Jahre empfunden?

Ich bin ein positiv denkender Mensch und habe mich den Gegebenheiten angepasst. Auch erkannte ich die positiven Werte dieser Zeit der Veränderungen. So lag anfangs der Fokus auf meiner Familie. Mein Sohn fand das total toll, mich so viel zu Hause zu haben. Außerdem konnte ich diese kleine Auszeit auch für mich genießen und einfach mal den Kopf abschalten und mich ausschließlich der Familie widmen.

Geschäftlich betrachtet, war diese Zeit schon eine immense Herausforderung. Mein Optimismus hat mich jedoch auch beruflich über diese Zeit getragen.

Sicherlich gab es, wie in jeder Branche, Defizite zu verzeichnen, jedoch war es auch die Chance der Neuorientierung. So nutze ich mein digitales Marketing, um weiter am Kunden zu bleiben und die Emotionalisierung, um meine kompetente Beratung weiterhin leisten zu können. Dafür nutzte ich z.B. Facebook und Instagram, insbesondere mit Videos, in denen ich einen besonderen Aspekt eines Produktes herausgegriffen habe, warum dieser oder jener Schuh nun der perfekte für meine Kunden sein könnte. Daraus entstand die Idee, einen Online Shop aufzubauen. Ich hoffe, dass wir es zeitnah schaffen, auch digitale Videos in unserem Online Shop an die Artikel heften zu können.

Haben Sie schon Pläne für die kommende Sommerzeit?

Ich bin aktiv im Marketing für mein Geschäft unterwegs. Außerdem bewerbe ich mich für die Vollversammlung der IHK, wo die Wahlen am 20.06.2022 stattfinden. Auch ein Urlaub ist geplant. Absolut „back to basics“ nutzen wir als Naturfreaks den Wohnwagen und verbringen im Kreise der Familie 14 Tage Zeit an der Ostsee.

Engagieren Sie sich privat – und wenn ja, wofür? 

Mein Engagement geschäftlich und privat ist so eng miteinander verwoben, dass ich das schlecht trennen kann.

Ich versuche immer Synergieeffekte zu nutzen. Wir haben zum Beispiel mit der Hull Foundation eine Schuhsammler-Kampagne für die Opfer des Ukraine-Kriegs gestartet. Oder dazu aufgerufen, dass Kunden uns alte Schuhe bringen, die recycelt werden können und mit dem Ertrag den CVJM in Lübbecke unterstützen. Mit dem Spielwarengeschäft vor Ort organisiere ich das jährlich stattfindende Kinderfest in Lübbecke. Ein weiterer Wirkungskreis findet sich in den Aufgaben als Aufsichtsrätin unseres Einkaufsverbands.

Was sind für Sie die schönsten Ecken und Orte im Mühlenkreis bzw. warum ist diese Region immer ein Besuch wert?

Mich beeindruckt die unendliche Weite unserer norddeutschen Tiefebene. Wie sagen wir immer so schön: “Bei uns können wir schon samstags sehen, wer sonntags zum Kaffee kommt.”  Auch die vielen Alleen, mit wunderschönen Bäumen, oder die tollen Waldabschnitte, um der Sonne zu weichen, sind für mich immer wieder eine Augenweide. Ich komme ins Schwärmen, wenn ich an die Zeit denke, in der ich mit Pferd diese weitläufige Gegend erkunden konnte.

Was bedeutet für Sie Heimat? 

Heimat ist da, wo mein Herz ist, aber auch da, wo man gelernt hat zu leben.Heimat kann für mich aber auch eine lokale Bedeutung habe, nämlich dann, wenn ich mich gegen meine Wurzeln entscheide und je nach Lebenssituation hinaus in die große Welt ziehe, um mich neu zu positionieren, zu finden und zu entfalten. Ich verbinde mit Heimat jedoch den Ort, wo ich beschützt und behütet aufwachsen durfte.

Mit wem würden Sie gerne eine Tasse Kaffee trinken und ein schönes Gespräch führen – wenn sie sich einfach jemanden aussuchen könnten? 

Ich kann Ihnen keinen konkreten Namen nennen. Mich fasziniert jedoch das Zusammenleben anderer Charaktere. Auch in meinem Beruf komme ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und muss mich auf die unterschiedlichsten Typen einstellen. Deshalb würde ich gerne mal mit einem Hirnforscher zusammenarbeiten, der mir erklärt, wie unser Gehirn Zusammenhänge verarbeitet und daraus dann die unterschiedlichen Charakter der Menschen entstehen.

Abschließend die Frage: haben Sie ein Motto/ Leitspruch, der Sie schon das ganze Leben lang begleitet?

Ja, auf jeden Fall. „Immer in Bewegung“ – so auch unser Logo, das ich vor einigen Jahren überarbeitet habe. Immer in Bewegung sein ist das, was die unternehmerische Kultur ausmacht.